Aktivvortrag im Schorndorfer Alten- und Pflegeheim

SCHORNDORF. (csa) Mit einem mehr als gelungenen Aktivvortrag wurde am Mittwochnachmittag bei den Heimbewohnern des Schorndorfer Alten- und Pflegeheims „Sankt Raphael“ das Langzeitgedächtnis trainiert. Mit Referentin Elfriede Dirschedl und Korbflechter Josef Bernhardt verging für die Seniorenschaft die Zeit wie im Flug. Zum Thema „Ausgestorbene Berufe und altes Handwerk“ steuerten die Seniorinnen und Senioren noch jede Menge an Erinnerungen aus den eigenen Kindheitstagen bei und so wurde über die eigentlichen Informationen von Elfriede Dirschedl hinaus noch viel „Neues zusammengetragen“. Zum kurzweiligen Verlauf beigetragen haben außerdem Veranschaulichungsmaterialien wie etwa Leihgaben von Seiten des Industriemuseums in Lauf bei Nürnberg (zum Beispiel Haarschneidemaschine eines früheren Baders), von Seiten des Heimes selber („Buckelkirm“, Pelzmützen) bzw. aus dem privaten Bestand von Referentin Elfriede Dirschedl (Körbe, Mehlsack, Stricksachen, gestickte Kissen, gestickte Überhandtücher, Holzschuhe, Heidelbeerkamm und vieles mehr). Als Vorsitzende der Familienforscher im Landkreis Cham hat Elfriede Dirschedl fokussiert zum Thema entsprechendes Datenmaterial gesichtet und sortiert. Schließlich hat man als Ahnenforscher oft mit alten Berufen oder Berufsbezeichnungen zu tun, die man heute nicht mehr kennt. Viele Berufe sind mittlerweile verschwunden oder heißen heute anders. Ein Großteil der deutschen Familiennamen leitet sich übrigens von Tätigkeiten, von Berufsbezeichnungen, von Werkzeugen, von Erzeugnissen und Handelswaren ab. Der Name "Schmidt", um nur einen zu nennen, war der Schmied. „Forschen Sie selbst nach, sie werden erstaunt sein wie viele Nachnamen auf Berufe zurückgehen“, so Elfriede Dirschedl. Der Großteil der Menschen auf dem Lande waren Bauern, Knechte u. Mägde. Es gab aber auch eine Vielzahl an verschiedenen anderen Berufen. Während es Aktivvortrags von Elfriede Dirschedl hat Josef Bernhardt aus Knöbling fleißig Hand angelegt und geflechtet. Am Ende waren ein Eierkörbchen sowie einige Blumenübertöpfe zusammengekommen, die den Seniorenheimbewohnern unentgeltlich überlassen wurden. Von Seiten der Heimleitung gab es für Elfriede Dirschedl und Josef Bernhardt abschließend ein kleines Dankeschön für den wunderbar unterhaltsamen Nachmittag. „Es hat ganz offensichtlich allen sehr gut gefallen und es war eine gelungene Abwechslung im Heimalltag“, so Karl Gschwendner. Ausgestorbene Berufe und altes Handwerk Bader und Barbiere waren bis ins 19. Jahrhundert für die Körperpflege und die wundärztliche Versorgung der Bevölkerung zuständig. Zu festlichen Anlässen und vor hohen Kirchenfesten war es üblich, ein Bad zunehmen und den Bediensteten und deren Familien ein Freibad zu spenden. Vor und nach der Hochzeit wurden „Hochzeitsbäder“ gehalten und die Diener- und Arbeiterschaft bekam statt des Trinkgeldes ein „Badegeld“. Die Badstuben waren aus Kostengründen meist in Besitz der Städte. Die Bader heizten in den Badstuben ein, schnitten die Haare und rasierten die Männer. Außerdem war es ihnen erlaubt, ihre Badegäste mit Salben zu behandeln, Blutegel und Schröpfköpfe anzusetzen, Klistiere zu geben, Zähne zu ziehen und zur Ader zu lassen. Darüber hinaus bewirteten sie mit ihren Helfern die Badebesucher mit Speisen und Getränken und unterhielten sie mit Spiel und Gesang. In den Hinterzimmern konnte man sich auch oft mit den Bademägden vergnügen. Bader und Chirurgen übten gleichermaßen die Wundarzneiheilkunde aus, was zu Rivalität führte. Bader und Barbiere unterschieden sich von den Ärzten dadurch, dass sie ihre Kunst als Handwerk erlernten und nur zur Ausübung der Chirurgie berechtigt waren. Badergesellen fanden sich vielfach auch als Feldschere beim Militär und als Blatter- und Pestärzte in städtischen Diensten. Mühlenbauer galten als die Maschinenbauer der vorindustriellen Zeit. Sie konstruierten Wasser- und Kehrräder, Wellbäume, Zahn- Stock- und Schneckenräder und die damit angetriebenen Arbeitsmaschinen. Mit der Einführung des Wasserrades an Flüssen und Bächen im Mittelalter begann ein unaufhaltsamer Prozess der Mechanisierung von Arbeitsvorgängen. Mühlen mahlten Getreide, Senf und Quarzsand, stampften Textilien für die Papierherstellung und Schießpulver, walkten Tuche, rührten Farben und Tone, trieben Schmiedehämmer und Blasebälge. Sie zogen Draht, sägten Holz, Baumstämme, Zylinder und Kanonenrohre, bewässerten Wiesen und Felder und pumpten Trinkwasser und Wasser. Der Mühlenbauer war der einzige Vertreter des Maschinenbaus und eine unübertroffene Autorität, wo immer es galt Wind und Wasser als Antriebskraft für irgendeinen Betrieb zu nutzen. Durch das Ablösen von Wasser und Holz als Energieträger durch Kohle und Gusseisen wurde aus dem Mühlenbauer ein Maschinenbauer. Binder waren eigentlich Fassbinder oder Böttcher. Sie brauchten hohe handwerkliche Fertigkeiten, um zumeist Fässer aus Holz herzustellen. Deren Dauben wurden ursprünglich mit gespaltenen Schößlingen von Weide, Esche oder Pappel zusammengebunden. Erst später wurden Blechreifen hergenommen, vor allem für die Bierbanzen. Binder stellten auch Bottiche, Wannen, Zuber und Schaffl aus Holz her. Außerdem noch Butterfässer, Holzeimer, Waschtröge, Odelfässer, Holzpantoffel, Truhen, Wiegen, Back- und Brühtröge. Musfallskrämer waren Drahtwarenhersteller, die nach ihrem auffälligsten und im ganzen Rheinland bekannten Produkt, der Mausefalle, benannt wurden. Sie stellten allerdings auch Hängeampeln für Blumentöpfe, Körbe und Tortenbodenteller her. Wagner (Stellmacher) waren wichtige Handwerker, die nicht nur Holzpflüge, Schubkarren und hölzerne Steigleitern machten. Ihr Meisterstück war der hölzerne Wagen mit den vier Holzrädern. Im Winter wurde auf seinen Schlitten gerodelt und Waren transportiert. Für die Weiher oder kleinen Flüsse baute er kleine Schiffchen oder Kähne, die er gut mit Teer und Kitt abdichtete. Sie wurden zum Reusen auslegen, zur Entenjagd und auch als Sprungbrett beim Baden benutzt. Rechenmacher waren unverzichtbar. Ihre Holzrechen waren beim Heuen und der Getreideernte unentbehrlich. Selten sah man eine Frau auf dem Land ohne Rechen bewaffnet. Damit fürchtete sie weder einen bissigen Hund, einen angriffslustigen Ganserer, noch einen zudringlichen Handwerksburschen. Korbflechter oder Kirmzäuner machten aus Weidenruten, Bast und Stroh nicht nur die verschiedensten Korbwaren, sondern auch geflochtene Korbmöbel. Der Kirmzäuner machte vor allem den Buckelkorb, die sogenannte Kirm, das Allerwelts-Tragegerät der ärmeren Bevölkerung. Mit den über den Schultern getragenen hanfenen Tragegurten, die an zwei Füßen der Kirm eingehakt waren, konnten schwere Lasten getragen werden. Auch kleinere Kinder konnten damit auf Feld oder Wiese mitgenommen und recht gut aufgehoben werden. Pergamentmacher, auch Pirmenter genannt, stellten aus ungegerbten Häuten von jungen Rindern, Schafen, Ziegen und Eseln Pergament und Trommelleder her. Das anfänglich klösterliche Hilfshandwerk für die klösterlichen Schreiber erweiterte sich mit der Entfaltung des Urkunden- und Buchwesens. Die Pergamentmacher fühlten sich als vornehme Handwerker. Mit dem Aufkommen des Papiers ging die Pergamentbereitung Mitte des 16. Jahrhunderts zugrunde. Häfferer stellten die flüssige Hefe her, bevor Trockenhefe oder Presshefe allgemein zum Backen verwendet wurde. Hefepilze stellten in der Wein- und Bierherstellung eine große Rolle. In den Brauereien und Keltereien fiel eine Menge Hefe an. Die minderwertige Unterhefe wurde als Tierfutter verwendet. Nur die hochwertigere Oberhefe wurde als Backhefe verwendet. In einem fahrbaren faß- oder bottichähnlichen Gefäß, dass vom Häfferer gezogen oder schubkarrenartig geschoben wurde, wurde die Hefe (auch Germ genannt) auf dem Land von Haus zu Haus verkauft und besonders bei den Bäckern abgesetzt. In den Städten wurde sie auf dem Markt feilgeboten. Erst die Reichsgesetze von 1548 u. 1577 eröffneten den Müllern die Möglichkeit, ein anderes Handwerk zu erlernen. In den Trau- u. Sterbematrikeln im Stiftland wurden Müller 1641 als „hochlöblich“ und 1692 als „ehrbarer junger Gesell“ bezeichnet. Und was machten die Frauen? Sie kümmerten sich um den Haushalt, waren für die Kindererziehung zuständig, legten Lebensmittelvorräte an, verschönerten das Heim, strickten Strümpfe, Pullover usw., nähten die Kleidung, bestickten die Wäsche, pflegten die Kranken und Alten in der Familie und arbeiteten hauptsächlich in der Landwirtschaft. (csa)