Beindruckendes Projekt in der Wohnresidenz

Schorndorf. Es war einmal vor langer Zeit, ihr hört gut zu, gleich ist es soweit! Eine wunderbare Märchenstunde bereitete im Schorndorfer Alten- und Pflegeheim den Heimbewohnern und gekommenen Angehörigen „Das zünftige Wohnresidenztheater“ mit dem Theaterstück vom Rumpelstilzchen.


Die neue Theatergruppe der Wohnresidenz „Sankt Raphael“ durfte sich zur Premiere in der Eingangsaula über ein „volles Haus“ freuen. Regisseurin Julia Karl erläuterte kurz den Hintergrund. Als staatlich anerkannte Altenpflegerin absolviert sie derzeit eine Weiterbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft in der Pflege und Betreuung, in dessen Rahmen auch eine Projektarbeit abzulegen ist. Und damit wurde bei ihr die Idee für diese Veranstaltung geboren und zwar unter dem Thema „Jung und Alt – ein Theaterstück gegen das Vergessen“. Das Märchen vom Rumpelstilzchen kennt jeder in der Wohnresidenz, es führt zurück in ein unbeschwertes Kindheitsleben und lässt zugleich den Moment intensiver wahrnehmen. Demenzkranke leben den Augenblick. „Und diesen Augenblick möchten wir heute gerne schenken“, so Julia Karl, „um sich zu erinnern, um Gefühle wieder aufleben zu lassen und ein Teil vom hier und jetzt zu sein“.

Bereits im Vorfeld wurden die Demenzerkrankten in vielerlei Form miteinbezogen, zum Beispiel beim Bemalen der Kulissenleinwände, bei Bastelarbeiten oder beim Auswählen der Musikstücke. Des Weiteren fördert so ein Theaterstück die künstlerische sowie organisatorische Kompetenz bzw. das kritische und kreative Denken und lässt so eine Gruppe näher zusammenrücken. „Wir hatten alle eine sehr schöne Zeit, viel Spaß miteinander und immer etwas zu lachen“, so Julia Karl, die als Baustein zum Projekt die Theaterpädagogik auswählte. Theaterpädagogik und Musiktherapie wird zu psychotherapeutischen Zwecken eingesetzt, ebenso vermehrt in der Gesundheits- und Krankenpflege. Theatertherapie wird in allen psychosozialen sowie psychotherapeutischen Feldern angewandt - sowohl für Einzel-, Paar- und Gruppentherapie – und hat sich insbesondere auch bei sonst schwer erreichbaren Klienten und Problemfeldern bewährt. Aus diesem Grund wurden von Julia Karl immer wieder demenzerkrankte Bewohner mit einbezogen. Zum Beispiel hat eine stark demenzerkrankte Heimbewohnerin erstmals seit über 50 Jahren wieder am Klavier gespielt. Und so fasste Julia Karl ein wichtiges Anliegen für diese Theateraufführung wie folgt zusammen: „Die einen kommen um zu vergessen, die anderen um sich zu erinnern“.

Geprobt wurde praktisch jede freie Minute und fast jeder Heimbewohner bzw. jeder Mitarbeiter war in irgendeiner Form mit eingebunden. „Ich bin auf alle unheimlich stolz“, so Julia Karl. Ein Vergelt’s Gott galt auch den Angehörigen, die beispielsweise Requisiten zur Verfügung stellten, dem Musik-Duo Stephanie Breu (Gesang, Mitarbeiterin im Heim) und Florian Murer (Piano) von der Gruppe „Santamente“ für die tolle musikalische Begleitung. Den es wurde auch von Darstellern und Publikum gemeinsam gesungen bei diesem Theaterstück, ob mit dem Lied „Wir wollen niemals auseinandergeh’n“ bzw. „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“ oder „Keine Maschine“ von Tim Bendzko.

Heimleiter Karl Gschwendner zeigte sich wie alle hellauf begeistert, überreichte an die Darsteller als kleines Dankeschön Blumen bzw. Geschenke und war natürlich besonders für Regisseurin und Mitarbeiterin Julia Karl und ihre tolle Idee voll des Lobes. Gerne freue man sich zu gegebener Zeit über weitere Stücke und Aufführungen des „Zünftigen Wohnresidenztheaters“.



Darsteller und Mitwirkende

Heimbewohner Anton Thalmeier (König); Heimbewohnerin Annemarie Knott (Müller); Heimbewohnerin Anna Winkler (Oma Gunda, die Erzählerin); Altenpflegerin Laura Ippisch (Müllerstochter); Altenpflegehelferin Heike Ringel (Rumpelstilzchen); Altenpflegehelferin Christa Wengler (Bote); Altenpflegerin Julia Karl (Regisseurin, Souffleuse).