FFW trainiert Ernstfall im Altenheim

Großübung im neuen Schorndorfer Pflegeheim bewies Schlagkraft der Retter und brachte wichtige Erkenntnisse für den Betreiber.



04. September 2016 09:35 Uhr

 

SCHORNDORF. Großübung am Großprojekt: Das neue Schorndorfer Alten- und Pflegeheim „Sankt Raphael“ diente sechs Feuerwehren mit rund 60 Aktiven als wichtiges Einsatzszenario. Wesentliche Erkenntnisse konnte auch der Heimbetreiber gewinnen.

„Angenommener Schwelbrand mit starker Rauchentwicklung im Alten- und Pflegeheim Gschwendner in Schorndorf, Atemschutz wird benötigt“. Mit dieser Information wurden die Feuerwehren Schorndorf, Altenmarkt, Penting, Obertraubenbach, Untertraubenbach und Thierling aus dem Zuständigkeitsbereich von Kreisbrandmeister Hermann Schwarzfischer („Florian 3/2“) alarmiert. Schorndorf und Altenmarkt rückten mit je zwei Fahrzeugen sowie ihren Atemschutzgeräteträgern an.

Besondere Anforderungen

Das Übungsobjekt stellte an die Feuerwehrdienstleistenden besondere Anforderungen. Bei über 60 Heimbewohnern, davon ein Teil bettlägerig, kommt natürlich der Personenrettung die oberste Prämisse zu. Außerdem erweist sich das Alten- und Pflegeheim mit den vier Teilgebäuden, verbunden durch einen Kopfbau, sehr weitläufig.

Das „Brandnest“ mit insgesamt vier zu evakuierenden Personen befand sich ausgerechnet im hinteren, nicht von der Hauptzufahrt her erreichbaren Bereich. Nachdem die Schorndorfer Stützpunktwehr durch die unmittelbare Nähe zum Gerätehaus binnen kürzester Zeit vor Ort war, übernahm 1. Kommandant Otto Rädlinger die Einsatzleitung.

Mit dem FFW-Schlüssel geknackt

Für seine beiden Stellvertreter Günter Feldbauer und Thomas Laumer galt es zunächst einmal, die verschlossenen Türen zur Wohnresidenz mittels „FFW-Schlüssel“ über die Brandmeldeanzeige am Hauptgebäudeeingang „zu knacken“. Danach konnten die ersten Atemschutzträger vordringen, sowohl von innen als auch von außen über den hinteren, zweiten Rettungsweg. Auch die FFW Altenmarkt schickte nach dem Eintreffen ihre Atemschutzträger auf die Suche nach den vermissten Personen. Die weiteren Feuerwehren sorgten von allen vier Seiten her für den Aufbau der Wasserversorgung.

Erster Alarm im Haus

„Übungsende, Wasser halt, Abbauen“, hieß es dann nach knapp einer dreiviertel Stunde durch KBM Schwarzfischer, der bei der abschließenden „Manöverkritik“ eingangs die Besonderheit der Alarmierung erläuterte. Das Heimpersonal hat zunächst Rauch- und Druckknopfmelder aktiviert, so dass über mehrere Telefone ein erster Alarm im Haus selbst ausgelöst wird.

Erst im zweiten Schritt erfolgt dann die Alarmierung über die Leitstelle, in diesem Fall vertreten durch den Kreisbrandmeister, und letztendlich die Anforderung der Feuerwehren sowie eventuell weiterer Rettungsdienste wie BRK. KBM Schwarzfischer zeigte sich mit dem Verlauf der Großübung äußerst zufrieden, bereits sieben Minuten nach der Alarmierung war Wasser am ersten Strahlrohr bzw. 13 Minuten danach konnte die erste Person mit der Trage aus dem Gebäude gerettet werden. 15 Minuten nach dem Alarm zeigte sich die Wasserzufuhr aus dem angrenzenden Baugebiet „Schorndorf Mitte“ gewährleistet.

Wasser schon nach 19 Minuten

Nur 19 Minuten waren vergangen, bis das unterstellte Brandobjekt aus allen vier umliegenden Hydranten mit insgesamt zehn Strahlrohren bekämpft werden konnte. Wasserdruck und Wassermenge erwiesen sich als ausreichend. Im Bedarfsfall könnte auch noch eine Schlauchleitung zum nahen Rothbach verlegt werden.

An das Alten- und Pflegeheim wurden natürlich schon beim Bau hohe Anforderungen in Bezug auf den Brandschutz gestellt. So bestehen zahlreiche Brandabschnitte, die durch Feuerschutzwände und -türen gesichert sind, und zumindest für eine gewisse Zeit eine sichere Rückzugsmöglichkeit bieten. Ein Lob gab es auch für die Atemschutzträger: „Sie haben einwandfrei und sehr besonnen gearbeitet“.

Schorndorfs 1. Kommandant und Einsatzleiter Otto Rädlinger bedankte sich besonders bei Geschäftsführer Karl Gschwendner für die Möglichkeit, das neue Alten- und Pflegeheim als Übungsobjekt nutzen zu dürfen. „Das war für uns eine sehr interessante und wichtige Übung“, so Rädlinger. 2. Bürgermeister Martin Bauer, mit der FFW Thierling selbst als Aktiver im Einsatz, dankte allen Feuerwehrfrauen und -männern für ihr ehrenamtliches Engagement. „Wir können zwar von Seiten der Gemeinde eine vernünftige Ausstattung und Ausrüstung zur Verfügung stellen“, so das stellvertretende Gemeindeoberhaupt, „aber wir brauchen auch Leute, die bereit sind auszurücken“.

Beeindruckt vom ruhigen Ablauf

„Auch für uns als Heim war diese Übung sehr wichtig“, so Karl Gschwendner, „jetzt wissen wir, ob die eingebauten Sachen in Bezug auf die Alarmierung auch ordnungsgemäß funktionieren“. Besonders aufgefallen sei ihm außerdem der sehr besonnene und ruhige Ablauf bei der Großübung und so wurden die Heimbewohner keinesfalls unnötig aufgeschreckt oder verunsichert. Mit einer Brotzeit bedankte sich die Familie Gschwendner bei den Feuerwehraktiven für ihr uneigennütziges Freizeitopfer sehr herzlich. (cls)

13 Minuten nach Alarmierung wurde die erste Person gerettet.